Köln im Fokus

 

 

Online-Reihe "Israel-Studien"

Israel-Studien

Eine neue Disziplin in Deutschland

Israel-Studien als eigene kulturwissenschaftliche und -hístorische Subdisziplin sind ein Novum in der deutschen Wissenschaftslandschaft, die mit einem entsprechenden Forschungszentrum an der Ludwig-Maximilians-Universität München und einer Juniorprofessur an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie der Einbindung in entsprechende Forschungszentren wie in Potsdam erste Institutionalisierungsschritte erfahren. Eine neue Reihe im Wallstein Verlag gibt Einblicke in die jüngsten Israel-Studien.

Mit der Reihe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG sollen erste Einblicke in das junge Forschungsfeld gegeben werden und ein Überblick über rezente Forschungsthemen vermittelt werden.

Die Reihe wird auf dem Youtube-Kanal der DIG AG Köln gestreamt. Die Videos stehen im Anschluss für zwei Tage zum zeitversetzten Sehen online. Der Streaminglink wird in Kürze auf der Homepage und der Facebookseite der DIG AG AG Köln sowie im Newsletter der DIG AGen Köln und Bonn bekanntgegeben.


Dr. Fabian Weber

Israel-Studien im Dritten Reich. Zionismus, Palästina und jüdische Staatlichkeit in der NS-»Judenforschung«

Ausgerechnet die Nationalsozialisten waren es, die zum ersten Mal vonaußen mit mehreren Forschungsinstituten die jüdische Geschichte, und zwar aus einer gezielt antijüdischen Perspektive, zu erschließen suchten. Welche Rolle in der von tiefem Antisemitismus getriebenen nationalsozialistischen »Judenforschung« der Zionismus spielte, stellt Fabian Weber in seinem Artikel heraus. Weber zeigt auf, wie sich die anfänglich angedachten Ansätze zur Vertreibung der Juden immer stärker radikalisierten. Den Juden traute man dabei entweder nicht zu, einen überlebensfähigen Staat zu bilden, oder aber stellte diesen als mögliche Machtzentrale einer jüdischen Weltverschwörung dar. Der Zionismus-Forschung selbst räumt Weber schließlich eine wichtige Rolle als Begründungs- und Rechtfertigungsstrategie für den Holocaust ein.

Der Vortragende ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Bundeswehr und Lehrstuhl für Jüdische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Seine Dissertation ist soeben unter dem Titel: „Projektionen auf den Zionismus. Nichtjüdische Wahrnehmungen des Zionismus im Deutschen Reich 1897-1933“, Göttingen 2020, erschienen.

13. Oktober 202019 Uhr. Der Streaming Link lautet 

https://www.youtube.com/watch?v=Rg0bMWaLlPU



Dr. Jenny Hestermann

 

Israel-Studien in Deutschland nach 1945 - eine kurze Wissenschaftsgeschichte

In ihrem Überblick über deutsche Israel-Forschung nach dem Zweiten Weltkrieg skizziert Jenny Hestermann klassische Forschungsschwerpunkte, beispielsweise die Auswanderung deutscher Juden in das Land Israel/Palästina, deutsch-jüdisches Kulturerbe in Israel oder die deutsch-israelischen Beziehungen. Gleichzeitig betont ihr Beitrag, dass – mit Ausnahme der ostdeutschen Israelwissenschaften – die deutschen Israel-Studien nur schwach institutionalisiert waren, insbesondere im Vergleich zu ihrem angelsächsischen Gegenpart und zur reichhaltig ausgebauten Deutschland-Forschung in Israel.

Dr. Jenny Hestermann wurde mit einer Arbeit über die deutsche Reisediplomatie nach Israel promoviert, arbeitete danach in einem Projekt zur deutsch-israelischen Wiessenschaftsgeschichte und gegenwärtig in einem Projekt im SFB „Schwächediskurse und Krise“ an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main. Publikationen: "Inszenierte Versöhnung. Reisediplomatie und deutsch-israelische Beziehungen von 1957 – 1984“, Frankfurt am Main 2016; „Vor der Diplomatie: Deutsch-israelische Wissenschaftsbeziehungen als ‚Brückenbauer‘?“, in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts 15, 2017, S. 399-418.

29. Oktober 2020, 18 Uhr. Der Streaming Link lautet:  https://youtu.be/nNfenbHcrrA
Dr. Julie Grimmeisen

Pionierinnen und Schönheitsköniginnen - Frauenvorbilder in Israel 1948–1967

Wie weiblich ist die Nation? Zwei herausragende und widersprüchliche Frauenvorbilder in der jungen israelischen Gesellschaft.

Julie Grimmeisen erforscht das Bild der »Neuen Hebräischen Frau« nach der Gründung des Staates Israel. Dabei wird deutlich, dass nicht nur politische, sondern insbesondere kulturelle Einflüsse aus Europa und den USA – in diesem Fall ein kommerzielles Schönheitsideal der Frau – das Projekt des israelischen Nation Building beeinflussten. Das Konsumverlangen der israelischen Gesellschaft, verkörpert durch die seit 1950 jährlich gewählte glamouröse Schönheitskönigin, stand im klaren Widerspruch zum ebenfalls sehr wirkmächtigen Vorbild der sozialistischen Pionierin, die als gleichberechtigtes Mitglied ihrer Gemeinschaft, Seite an Seite mit den männlichen Kameraden und unter großen Anstrengungen und Entsagungen die jüdische Nation in ihrem eigenen Land wiederbelebt haben soll. Beide Frauenvorbilder wurden von den ersten erfolgreichen Frauenmagazinen des Staates propagiert und steckten in der Populärkultur den Rahmen ab, innerhalb dessen sich der ideologische Kampf um die Deutungshoheit des Frauenideals Israels abspielte.

Die Autorin liefert mit ihrer Analyse der »Neuen Hebräischen Frau« einen innovativen Beitrag zur Nationalismus- und zur Geschlechterforschung.

Dr. Julie Grimmeisen ist Akademische Leiterin im Generalkonsulat des Staates Israel in München. Sie promovierte am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München. Mit der Arbeit „Pionierinnen und Schönheitsköniginnen. Frauenvorbilder in Israel, 1948-1967“, Göttingen 2017. 

17. November 2020, 19 Uhr. Der Streaming Link wird in Kürze auf der Homepage, der Facebookseite der DIG AG Köln und im Newsletter der DIG AGen Köln und Bonn veröffentlicht.


 
 

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