Köln im Fokus

 

 

DIG AG Köln protestiert gegen LitCOLOGNE-Lesung

Einseitig, geschichtsblind und naiv

Das Buch „Oliven und Asche“ über die israelische „Besatzung“ der Westbank wird auf der lit.COLOGNE präsentiert
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Die Mitgliederversammlung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft protestiert gegen diese einseitige Veranstaltung – ausgerechnet im Jubiläumsjahr Israels – 70 Jahre nach der Staatsgründung –, die sich die politische Agenda der israelischen NGO Breaking the Silence zu eigen macht und literarisch verbrämt. 

Am 13. März 2018 veranstaltet die lit.COLOGNE eine bereits Monate vorab ausverkaufte Podiumsveranstaltung zu dem von Ayelet Waldman und ihrem Mann Michael Chabon herausgegebenen Buch „Oliven und Asche“. Für das Buch haben 26 international renommierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf Einladung der umstrittenen israelischen NGO Breaking the Silence das Westjordanland und Gaza besucht. Auf dem Podium der Veranstaltung werden Herausgeber Chabon, Eva Menasse, Assaf Gavron mit der ehemaligen Pressesprecherin der NGO, Dana Golan, sitzen und mit Sonia Seymour Mikich über ihre Erfahrungen, die sie in Essays und Geschichten verarbeiteten, diskutieren.


Betrachtet man das Buch kritisch, so fällt vor allem anderen auf, dass sich die Autorinnen und Autoren die politische Agenda des Geldgebers und Gastgebers der Literatenreisen Breaking the Silence vollständig zu eigen gemacht haben. Die Organisation prangert seit ihrer Gründung einseitig die Maßnahmen der IDF, des israelischen Militärs an. Die Organisation steht in Israel in der Kritik, denn sie macht ihre Recherchen nicht transparent, unter dem Mantel des Quellenschutzes wiegt sie die Namen ihrer Berichterstatter im Schutze der Anonymität. Dadurch ist es der IDF schwer möglich, die geäußerte Kritik in Disziplinar- und Militärgerichtsverfahren gegen israelische Handlungsbeteiligte geltend zu machen. Unabhängige Überprüfungen haben ergeben, dass Informationen unvollständig und unzuverlässig waren. Auch die Finanzierung durch politische Organisationen aus dem Ausland, die eine antiisraelische Agenda verfolgen, steht in der Kritik. Aufgrund der Einflußnahme aus dem Ausland wirkt Breaking the Silence umgekehrt vor allem im Ausland, während die Organisation in Israel randständig ist.


Die DIG AG Köln verurteilt das Buch als undifferenziert und unhistorisch. Sie wirft den Autorinnen und Autoren Einseitigkeit und Naivität vor.
 

Cover

Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller zeichnen ein einseitiges und naives Bild über die israelische Hoheit in den von den Autoren als besetzt betrachteten Gebieten. Während die Israelis in den Beschreibungen stereotyp als brutal und ungerecht dargestellt werden, werden die Palästinenserinnen und Palästinenser ebenso stereotyp als gastfreundlich und einfühlsam gezeichnet. Hier Dämonisierung, dort bewusste Weichzeichnung – so zimmern die gutgemeinten Beschreibungen ein manichäisches Weltbild, das die Welt strikt in Gut und Böse einteilt. Man wird des Eindrucks nicht müde, die Mehrheit der Bevölkerung in den Gebieten seien Hirten, Olivenbauern – und gelegentlich mischt sich ein Selfmademann als Unternehmer unter sie.


Wenn einmal ein Part der palästinensischen Gebiete als modern und in entwicklungsfähig in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren dargestellt wird, wie im Text des Podiumsgasts Assaf Gavron die palästinensischen Fußballer und Kicker, dann sind sie umso stereotyper Opfer der Willkür der „Besatzungsmacht“. Dieser Beschreibungmodus hat Methode, nachgewiesene Begegnungen eines palästinensischen Nationalteamspielers mit einem freigepressten Hamas-Terroristen werden von Gavron genauso systematisch derealisiert wie die Allgegenwart des palästinensischen Terrors in den Gebieten, die ihren Ausdruck zum Beispiel in der Benennung von Stadien nach Terroristen findet. Dass die arabische Seite eine ebenso diskriminierende Politik gegen Israel im Spitzensport fährt – beinahe schon geschenkt, dass die Sportpolitik der arabischen Staaten keine Erwähnung findet. Findet sie es doch, dann wird sie gerechtfertigt, wie im Falle des palästinensischen Ausschlussantrages gegen den israelischen Fußballverband in der FIFA.


Man vermisst dagegen eine dichte Beschreibung des Fanatismus, der wenigstens Teile der palästinensischen Gesellschaft erfasst hat; eine kritische Nachricht über die Märtyrerrenten, die die Palästinensische Autonomiebehörde inhaftierten Terroristen zahlt; Checkpoints und Mauern können so nicht anders als brutale Unterdrückung gewertet werden und der radikalisierte und eben nicht immer friedfertige Protest dagegen als Widerstand.


In diesem Weltbild hat der terroristische Charakter der zweiten Intifada keinen Platz, die Ablehnung israelischer territorialer Angebote wie auch von Friedenslösungen ebenso wenig. Die eigentlichen Opfer sind die Täter der palästinensischen Stabbingwelle – der sogenannten „Messerintifada“. Ja, in diesem Weltbild ist auch der minderjährige Palästinenser Ahmed Manasra im Essay von Geraldine Brooks, der mit seinem Cousin Hassan mit Messern bewaffnet an einer Stabbingattacke teilgenommen hat, nur ein unschuldiges Opfer der israelischen Justiz. Damit man uns nicht falsch versteht: er hat nicht nur ein Recht auf rechtliches Gehör, sondern auch auf ein faires rechtsstaatliches Verfahren – doch er und seine Familie sind vielleicht nicht nur allein Opfer, sondern er auch ein Tatbeteiligter und sie ein Umfeld, das einen Minderjährige soweit radikalisiert hat, dass er sich an einer solchen Tat beteiligt.


Alles in allem sind für die Herausgeber und die Autoren vor allem die Siedlungen und nicht der Terror, der sich gegen Bewohner derselben richtet, das Problem. Gewalt wird in dem Buch einigermaßen einseitig als die Gewalt der Siedler und der IDF verurteilt.


Wir appellieren an die Veranstalter der lit.COLOGNE, der Stimmungsmache gegen Israel unter dem Deckmantel der Literatur keinen Raum zu geben.


Köln, den 5. März 2018


Mitgliederversammlung der Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Köln


Das Buch:
Ayelet Waldman/Michael Chabon (Hg.): Oliven und Asche. Schriftstellerinnen und Schriftsteller berichten über die israelische Besatzung in Palästina. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017 

Dazu eine kritische Rezension in der Jüdischen Allgemeinen: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29705


 
 

Informationen des Präsidiums