Köln im Fokus

 

 

Aktionswochen gegen Antisemitismus

Auch in diesem Jahr organisieren wir die Aktionswochen gegen Antisemitismus in Köln. Im Rahmen von insgesamt acht Veranstaltungen werden sich Referentinnen und Referenten mit verschiedenen Aspekten des Antisemitismus’ auseinandersetzen und ihre jeweiligen Überlegungen zur Diskussion stellen. 
Die Aktionswochen gegen Antisemitismus veranstalten wir in diesem Jahr in Kooperation mit dem AStA Uni Köln, der Deutsch Israelische Geselsowie mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung. 

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen findet sich hier. Die Ankündigungstexte können den verlinkten Facebook-Events entnommen werden: 

18.10.2019, 19.30 // Rosa Fava: Lernen über den Nahostkonflikt als Prävention von Antisemitismus?
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/564459470963989/

25.10.2019, 19.30 // Elisabeth Böttcher: Antisemitismus und Antiziganismus als beständige Krisenideologien der Arbeitsgesellschaft
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/1173823746150488/

30.10.2019, 19.30 // Jörg Rensmann: Der Antisemitismus des iranischen Regimes
Autonomes Zentrum Köln, Luxemburger Str. 93
https://www.facebook.com/events/513880782762077/

06.11.2019, 19.30 // Samuel Salzborn: Globaler Antisemitismus - Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/533257124097363/

07.11.2019, 19.30 // Thomas Haury: Der besondere Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalismus
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/463090350944068/

19.11.2019, 19.30 // Gerhard Stapelfeldt: Von der Notwendigkeit und Schwierigkeit, sich an Auschwitz zu erinnern
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/495724914593767/

20.11.2019, 19.30 // Matthias Küntzel: Nazis und der Nahe Osten - Wie der islamische Antisemitismus entstand
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/493479544782209/

27.11.2019, 19.30 // Dana Ionescu: Antisemitismus in der deutschen Beschneidungskontroverse 2012
Hörsaal XIII, Hauptgebäude der Universität zu Köln
https://www.facebook.com/events/481623509059786/

Summaries und CVs der beteiligten WissenschaftlerInnen und ExpertInnen:

Rosa Fava: Lernen über den Nahostkonflikt als Prävention gegen Antisemitismus

Vor allem in den kriegerischen Phasen des Nahostkonflikts kommt es auch in Deutschland immer wieder zu offen antisemitischen Äußerungen, teilweise lässt sich die Ausrichtung und Stimmung auf Protestveranstaltungen als antisemitisch beschreiben. Viele erheben die Forderung, in Schulen sollte der Nahostkonflikt zum obligatorischen Thema werden, um antisemitischen Deutungen des Nahostkonflikts entgegenzuwirken. Zwei Fragen ergeben sich daraus: Warum und wie soll Wissen über den Konflikt und seine Hintergründe Antisemitismus verhindern? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um den Unterricht zielführend zu gestalten? 

Rosa Fava hat Fortbildungsangebote und Lernmaterialen dazu analysiert und stellt ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen vor.

Veranstaltet vom Bündnis gegen Antisemitismus Köln, dem AStA der Universität zu Köln und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Köln. Unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung.

Freitag, 18.10.2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

 

Elisabeth Böttcher: Antisemitismus und Antiziganismus als beständige Krisenideologien der Arbeitsgesellschaft

Die 'Inhalte' von Antisemitismus und Antiziganismus weisen in unterschiedliche Richtungen: antisemitische Phantasmen leben von Bildern, in denen die 'Juden' - bzw. in Gestalt eines 'neuen Antisemitismus' der 'jüdische Staat' (vgl. Kurz 2009) - mit den abstrakten Seiten des Kapitalismus (Geld, Finanzkapital, etc) assoziiert werden und ihnen eine Macht zur Weltverschwörung zugesprochen wird. Antiziganistische Phantasmen hingegen identifizieren in dem 'Zigeuner' den 'Asozialen' schlechthin, der selbst arbeitsscheu von dem Arbeitslohn der anderen schmarotzt. Trotz der unterschiedlichen 'Inhalte' und Richtungen ist Antiziganismus und Antisemitismus gemeinsam, dass sie im und mit dem Kapitalismus entstanden sind, sich in das bürgerliche Subjekt eingeschrieben haben und in Krisenzusammenhängen aktiviert und verstärkt werden können. Die Zusammenhänge zwischen Krisendynamik, Antisemitismus und Antiziganismus unter Einbeziehung der Veränderungen und Verschiebungen innerhalb der antisemitischen bzw. antitiziganistischen Phantasmen unter dem Eindruck der aktuellen Krisenerscheinungen, die auf die 'innere Schranke' des Kapitalismus verweisen, werden Thema des Vortrags sein.

Elisabeth Böttcher (geboren 1986 in Koblenz) studierte von 2004 bis 2013 Erziehungswissenschaften mit den Nebenfächern Psychologie und Soziologie in Marburg. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zu dem Thema "Soziale Frage und Umgang mit "Nicht-Arbeit" in der Arbeitsgesellschaft. Unter besonderer Berücksichtigung von (strukturellem) Antiziganismus als rassistische Widerspruchsbearbeitung". Seit 2011 ist Elisabeth Böttcher Mitglied in der Redaktion der Zeitschrift "Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft". Seit 2014 lebt sie in Frankfurt.

Freitag, 25. Oktober 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

 

Jörg Rensmann: Antisemitismus des iranischen Regimes

Kern der Ideologie des iranischen Regimes ist der Antisemitismus, der für den Ayatollah Chomeini als von den Nationalsozialisten tradierter zentral war. Der staatliche Antisemitismus des Iran kanalisiert fast alle kontemporären antiamerikanischen, antijüdischen und anti-israelischen Strömungen und Ansichten für die Ideologie und Politik der islamischen Republik auf der ganzen Welt. Das Regime propagiert die Leugnung der Shoah und antisemitischen Antizionismus als Staatsideologie mit Veranstaltungen wie dem al-Quds-Tag und unterstützt Terrororganisationen wie die Hisbollah im Libanon. 

Jörg Rensmann ist Politikwisenschaftler und Programmdirektor des Mideast Freedom Forum Berlin. Er arbeitet aktuell zu den Themen UNRWA, Hisbollah und Israelbild in deutschen und palästinensischen Schulbüchern. Gleichzeitg ist er in der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus aktiv. 

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 19 Uhr 30, Autonomes Zentrum, Luxemburger Straße 93, 50939 Köln

 

Prof. Dr. Samuel Salzborn: Globaler Antisemitismus - Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne

Seit den islamistischen Terroranschlägen von 9/11 ist weltweit eine Ausweitung und Radikalisierung von Antisemitismus festzustellen – jenseits alter Abgrenzungen zwischen den politischen Spektren. Antisemitismus ist zur globalen Integrationsideologie von Islamisten, Neonazis, Globalisierungsfeinden und Antiimperialisten geworden. Deren Hauptfeindbild heute: Israel. Im Vortrag werden diese Entwicklungen, ihre historischen und theoretischen Hintergründe vorgestellt und für einen neuen Universalismus plädiert, der zur Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung von Antisemitismus weltweit werden kann.

Prof. Dr. Samuel Salzborn, geb. 1977 in Hannover, ist apl. Professor für Politikwissenschaft an der Uni Gießen und Senior Fellow am Center for Analysis of the Radical Right (CARR). Er hat Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaft studiert und in Politikwissenschaft promoviert und mit einer Arbeit über "Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne" habilitiert. Zuletzt erschienen seine Bücher „Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne“ (2018) und „Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten“ (2017) bei Beltz Juventa.

Mittwoch, 6. November 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII 

 

Dr. Thomas Haury: Der besondere Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalismus

Dass „Andere“ zur Konstruktion des „Wir“ dienen, zeigt sich ständig. „Die Juden“ im antisemitischen Weltbild aber unterscheiden sich kategorial von allen sonstigen Feindkonstruktionen – sei es die Konstruktion der „Anderen” im Rassismus oder seien es die Feindbilder „Frankreich” oder „Russland” im deutschen Nationalismus. Nur "den Juden" wird seit 200 Jahren zugeschrieben, weltweit insgeheim Wirtschaft, Politik wie Medien zu steuern. Und nur „die Juden” gelten gleichzeitig als ein „Volk” wie auch als „Anti-Volk”, als der „Feind aller Völker“, welcher jede „Nation” zersetzen wolle. Thomas Haury wird an historischen und aktuellen Beispielen verdeutlichen, wie sich Nationalismus und Antisemitismus in der Moderne bedingen.

Dr. Thomas Haury ist Autor der Studie Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR (2002).

Donnerstag, 7. November 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

 

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt: Von der Notwendigkeit und Schwierigkeit, sich an Auschwitz zu erinnern

Die Erinnerung der Verbrechen, die nur mit dem Namen ‚Auschwitz’ zu bezeichnen sind, fordert eine Aufklärung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, so daß deren Genese ebenso bewußt wie die utopische Aussicht auf eine vernünftige Gesellschaft eröffnet wird. Darin besteht die zentrale Aufgabe einer kritischen Theorie der Gesellschaft.
Jede Erinnerung, ob von Einzelnen oder von Gesellschaften, ist der Versuch, von der Gegenwart her ein Licht auf die Vergangenheit zu werfen: die Genese des Bestehenden, die in der „kontemporären Geschichte“ aufgehobene „vergangene Geschichte“ zu begreifen. Sich Erinnernde fragen nach der Vergangenheit, um sich ihrer gegenwärtigen Identität bewußt zu werden. Das Bewußtwerden des Vergangenen gelingt nur so weit, wie das Gegenwärtige bewußt ist. Erinnerung ist deshalb: Aufklärung einzelner oder kollektiver Subjekte, Bewußtwerden ihrer bewußtlosen Identität. Durch diese Aufklärung verändern Einzelne ebenso wie Gesellschaften ihre Identität, durch diese Aufklärung verwirklichen sie eine Gesellschaft, in der die Menschen sich ihrer selbst und ihrer Verhältnisse bewußt sind.
Eine solche Aufklärung der „kontemporären“ und damit der „vergangenen Geschichte“ scheint in der gegenwärtig herrschenden Ordnung des Neoliberalismus verstellt. Dessen Basis-Dogmen behaupten die Unerkennbarkeit von Gegenwart und Geschichte. Sie verleugnen nicht nur die Möglichkeit aufklärender Erinnerung, sondern drücken bewußtlos aus, daß das unaufgeklärte Vergangene die Gegenwart in seinem Bann hält. Erinnerung erscheint dann allenfalls möglich als eine informierte Erinnerungslosigkeit: als Reduktion der Erinnerung auf ein Wissen von einer vollends vergangenen Vergangenheit, die diese musealisiert und die gegenwärtige Identität nicht berührt. Ohne eine Aufklärung dieser anti-aufklärerischen neuen Ordnung der Frei-heit, ohne eine aufklärende, weltverändernde Praxis ist Auschwitz nicht zu erinnern. Die Erinnerung ist eine gesellschaftliche Utopie.

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg. Seitdem arbeitet er als freier Schriftsteller in Hamburg.

Dienstag, 19. November 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

 

Dr. Matthias Küntzel: Wie der islamische Antisemitismus entstand. Buchvorstellung mit Matthias Küntzel

1937 kam mit der Broschüre „Islam und Judentum“ eine neue Form von Judenhass in die Welt : der islamische Antisemitismus. Die Nationalsozialisten taten alles, um diese neue Hassbotschaft mithilfe ihrer arabischsprachigen Radiopropaganda zu verankern. Das Buch beleuchtet dieses bislang unbekannte Kapitel deutscher Vergangenheit: Es präsentiert neue Archivfunde, die belegen, wie sich das Judenbild im Islam zwischen 1937 und 1948 unter
dem Einfluss dieser Propaganda und sonstiger Nazi-Aktivitäten veränderte. Dieser neue Blick auf die Nahostgeschichte ermöglicht eine präzisere Beurteilung der Gegenwart: Was genau ist „islamischer Antisemitismus“? Wie tritt er gegenwärtig in Deutschland und Frankreich in Erscheinung? Was macht
ihn besonders gefährlich? Erst wenn wir begreifen, wie stark die moderne Nahostgeschichte von den Nachwirkungen des Nationalsozialismus geprägt ist, werden wir den Judenhass
in dieser Region und dessen Echo unter Muslimen in Europa richtig deuten und adäquate Gegenmaßnahmen entwickeln können.

Matthias Küntzel, geb. 1955, ist promovierter Politikwissenschafter und Historiker. Seine preisgekrönte Vorläuferstudie „Djihad und Judenhass“ (Freiburg 2002) erschien in sechs Sprachen und provozierte eine lebhafte internationale Debatte über die Ursprünge des Antisemitismus in der arabischen Welt.

Mittwoch, 20. November 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

 

Dr. Dana Ionescu: Antisemitismus in der deutschen Beschneidungskontroverse 2012

In Deutschland wurde 2012 eine stark polarisierende Kontroverse über kulturell-religiöse Vorhautbeschneidungen von männlichen Säuglingen und Jungen ausgetragen. Obwohl diese auf viele deutsche Jüdinnen und Juden eine enorme Wirkung hatte, blieb sie bis heute von der Antisemitismusforschung weitestgehend unbeachtet. In meinem Vortrag gehe ich der Frage nach, welche – teils jahrhundertealte – Judenbilder in der Kontroverse zum Ausdruck kommen und wie sich diese zu antisemitischen Ressentiments verhalten. Anhand von Beispielen nehme ich die Argumentationen von BeschneidungsgegnerInnen in den Blick und arbeite das Verhältnis von sachlicher Kritik an der Beschneidung und antisemitischen Ressentiments heraus. 

Dr. Dana Ionescu ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studienfach für Geschlechterforschung der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Antisemitismusforschung, Demokratietheorien und Politik der Geschlechterverhältnisse.

Mittwoch, 27. November 2019, 19 Uhr 30, Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XIII

Veranstaltet vom Bündnis gegen Antisemitismus Köln, dem AStA der Universität zu Köln und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Köln. Unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung.


 
 

Informationen des Präsidiums