Köln im Fokus

 

 

Tour de Respect



Einladung zur Tour de Respect am 8.10.2017


Wir unterstützen die diesjährigen Tour de Respect - Radsportfahrt gegen Antisemitismus und Rassismus - am 08.10.17 in das Radstadion Albert Richter Bahn Köln und laden dazu herzlich ein.

Ein Breiten-Radsport Team Tour de Respect startet am 08.10.2017 zu einer ca. 50 km langen Runde um Köln zu Ehren von Albert "Teddy" Richter. Ziel der diesjährigen Tour ist es, an einen großen Radsportler zu erinnern und gegen Antisemitismus, Rassismus und Extremismus sportlich, grenzübergreifend und nachhaltig ein Zeichen zu setzen.

Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Das Radsport-Team startet um 11:00 von der Sömmeringstr. 72 in Köln-Ehrenfeld zu einer ca. 50 km lange Runde um Köln und endet im Radstadion Albert Richter Bahn in Köln Müngersdorf. Eine Teilnahme an der Tour wäre noch möglich, erfordert jedoch ein kontinuierliches Radtraining. 

Die Abschlußveranstaltung mit Rahmenprogramm - Vorträge, Diskussionen und Infostände - findet um 15:00 im Radstadion statt. Für Getränke und kleine Snacks ist gesorgt. 

Partner & Unterstzützer: Kölner Sportstätten, Tus Makkabi Köln , Prof. Fr. Manfred Lämmer, Deutsche Sporthochschule , NS-Dokumentationszentrum , Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Köln, Marcel Wüst , Renate Franz , Andreas Hupke, Werner Schleicher , Sportamt der Stadt Köln, Polizei Köln, The Guardian, RadKulTours

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme/Ihr Kommen.

Anmeldungen erbeten bis zum 04.10.17 an: info@tourderespect.org oder 0221 16864760
Zur Person und zur Geschichte des Radrennfahrers Albert Richter

Albert Richter wurde 1912 geboren und wuchs in der Sömmeringstr. 72 in einem politisch geprägten Arbeitermilieu in Ehrenfeld auf. Bald begann er zunächst heimlich auf dem Rennrad zu trainieren und fuhr, nachdem man schnell sein Talent entdeckt hatte, seit dem 16. Lebensjahr auch Rennen.

Spätestens Anfang 1932 wurde er über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Er wechselte bald ins Profilager und prägte mit 7 deutschen Meistertiteln und zahlreichen internationalen Erfolgen die Ära des Bahn-Radrennsportes in den 30er Jahren. 
Auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hielt er treu zu seinem jüdischen Manager Ernst Berliner, obwohl die neuen Vorschriften Juden insoweit ausschlossen. Immer wieder verweigerte Albert Richter in der Öffentlichkeit bei offiziellen Anlässen demonstrativ provozierend den Deutschen Gruß – 1934 führte dies bei der bei der Weltmeisterschaft zum Eklat.

Insbesondere bei seinen Auslandsreisen machte er auch privat aus seiner offenen anti-nazistischen Haltung keinen Hehl. Auch nach der Flucht seines Managers Berliner nach Holland ließ er sich weiter von ihm betreuen. Seine in Sportkreisen sehr ungewöhnliche Gegnerschaft dem NS-Regime gegenüber blieb den Nazis natürlich nicht verborgen. Wegen seiner überragenden sportlichen Erfolge wurde er aber wie Max Schmeling u. a. zunächst geduldet.


Bei Kriegsausbruch 1939 ist seine Aussage verbürgt, dass er am liebsten nach Frankreich auswandern wolle, weil er in nicht auf seine „Brüder" dort schießen wolle. Der Gedanke auszuwandern wurde immer klarer, als die Gestapo ihn und seine Familie bedrängte und versuchte, Richter trotz seiner bekannten Gesinnung zur Spionage für das NS-Regime zu erpressen.

Am 31. Dezember 1939 machte er sich mit 12.700 Reichsmark an Devisen, versteckt in Rennradreifen, auf den Weg in die Schweiz. Beim Grenzübergang Lörrach wurde das Geld nach intensiver Suche vom Zoll entdeckt und Richter wurde unter dem Vorwurf des Devisenschmuggels ins Grenzgefängnis gebracht, wo er unter mysteriösen Umständen im Alter von 27 Jahren in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1940 ums Leben kommt. Es spricht vieles dafür, dass ihn die Gestapo nach intensiven Folterungen erschossen hat. Offiziell hieß es verhüllend, er habe Selbstmord verübt.

1966 stellte Ernst Berliner, der die NS-Verfolgung überlebt hatte, Strafanzeige wegen Mordes. Das nur äußerst halbherzig durchgeführte Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lörrach brachte keine erhellenden Ergebnisse. Nach dem Krieg wurde Richter in einem Klima der Verdrängung der NS-Zeit und der erneuten Etablierung vieler in die Untaten des NS-Regimes verstrickter Sportler und Funktionäre (wie Carl Diehm) weder als NS-Opfer anerkannt noch rehabilitiert.

 
 

Informationen des Präsidiums